Espais literaris de Jesús Moncada

Els molls de l’Ebre

Els molls de l’Ebre

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      Llegit per Kristen Brandt

In der Dunkelheit des Salons – einer schmierigen Schwärze, die vom Ebro mit seinen an den Kais verrottenden Kähnen langsam heraufkroch – glaubte Señora Carlota de Torres noch einmal die Sonne zu spüren, die sie auf dem Bahnsteig von Fayón glebendet hatte, als sie und Hipòlit de Móra, von ihrer Hochzeitsreise heimkehrend, an der Station aus dem von Barcelona kommenden Zug stiegen. In der unterhalb des Städtchens gelegenen Ortschaft sollten sie von einem ihrer Lastkähne aufgenommen werden, der dort eine Kohlenladung ihrer Zechen löschte, der größten von den wenigen, die über die Krise von 1919 hinweggerettet worden waren, und die beinah noch die volle Produktion aufrechthielten. Aber kein Schiffsführer kam, um sie abzuholen, ihr Gepäck zu tragen und sie zum Schiff zu begleiten.

»Ich hoffe, du hast das Telegramm abgeschickt», sagte sie gereizt, als sie über den leeren Bahnsteig blickte.

»Ja, natürlich, habe ich. Vielleicht weiß der Stationsvorsteher etwas oder hat eine Nachricht für uns.«

Der Bahnbeamte war nicht aufzufinden. Nachdem er dem Zug mit der roten Fahne das Abfahrtssignal gegeben hatte, war er verschwunden.

»Das ist alles sehr merkwürdig. Schau…«

Durch die hitzeflirrende Luft, in der mit entnervender Ausdauer Grillen kreischten, sahen sie hinter den für die Fabriken in Barcelona bestimmten Kohlenhalden zwei vertäute Lastkähne, aber keine Arbeiter, weder auf den Kähnen noch, beim Schaufeln an den schwarzschimmernden Halden des vom bleichen Kalkschleier gräulichen Gesteins.

Ratlos und verlegen formulierte Hipòlit eine Hypothese nach der anderen. Ein verspätetes Telegramm, Schwierigkeiten in letzter Minute vor dem Ablegen der Kähne, ein Auflaufen auf eine Sandbank sogar, was das wahrscheinlichste war, bei dem Niedrigwasser des Ebro im Sommer, wenn felsige Gründe oder Strecken von geringer Tiefe gefährlich wurden und es nicht selten vorkam, daß von zweitklassigen Schiffsführern gesteuerte Lastkähne auf Grund liefen. Seine konfusen Erklärungen halfen ihnen nicht nur nicht weiter, sondern steigerten auch noch die Entrüstung seiner Frau, die nahe daran war, ihre Beherrschung zu verlieren. Sie fühlte sich beleidigt, gedemütigt. Unvorstellbar, daß eine Carlota de Torres y Canps – niemals wäre ihr in den Sinn gekommen, den Namen des Ehemannes zu benutzen – inmitten ihrer Koffer auf einem Bahnsteig warten mußte, auf dem ihre Braunkohle verladen wurde, die am Ufer eines Flusses lag, auf dem ihre Lastkähne und ihre Schiffer fuhren und den sie gewissermaßen als ihr Eigentum betrachtete! Wo waren die Angestellten von Torres y Camps aus Fayón?

Die Versinkende Stadt. Trad. a l’alemany de Willi Zurbrüggen. Frankfurt am Main: S. Fischer, 1995.

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